Sommercamps in Ihlow und Hamburg: „Es hätte ruhig noch länger gehen können“

20. August 2015 in der Kategorie Events mit 0

Ihlow 2015 Gruppenbild Tischtennisbälle II Foto FLDie Sommercamps der Deutschen Tischtennis-Jugend (DTTJ) 2015 sind vorbei. Für die meisten teilnehmenden Jugendlichen verging die Zeit wie im Flug und ging oft zu schnell vorbei. Zwar lag der Fokus beim Sommercamp „For Girls Only“ in Ihlow und beim internationalen „Youth Camp“ in Hamburg auf Tischtennis, aber andere Freizeitaktivitäten, das Kennenlernen untereinander und spannende Workshops kamen nicht zu kurz. Gesponsort wurden die Camps auch dieses Jahr vom Tischtennisausrüster Butterfly Deutschland.

22 junge Mädchen zwischen elf und 14 Jahren stehen in einem großen Kreis. Die Aufgabe: Unterschiedliche Bälle müssen im Spiel geworfen, geschossen, an die Nebenfrau übergeben und außerdem zwei Luftballons oben gehalten werden. Mindestens eine Minute lang, dann winkt ein Eis. Fallen etwa die Ballons runter, ist das Spiel sofort vorbei. Es ist ein Spiel, in dem es um Koordination, aber auch in großem Maße um Kommunikation und Zusammenhalt geht. Die Gruppe hat schon ein paar, zugegeben eher klägliche, Versuche hinter sich gebracht. Trainerin Sabrina Hommel gibt eine letzte Chance. „Los, Mädels, holt euch das Eis“, ruft sie. Und tatsächlich: Die Beratung untereinander hat gefruchtet. Mit einer ausgeklügelten Taktik und einem hohen Maß an Kommunikation klappt es schließlich. Die Bälle bleiben eine Minute im Kreis, das Eis ist gewonnen.

Diese Episode zeigt, welche Schwerpunkte beim Sommercamp „For Girls only“ gelegt werden. Klar, vieles dreht sich zum großen Teil um Tischtennis, Training und Bewegung. Aber genauso geht es um andere Freizeitaktivitäten, Austausch sowie um Begriffe wie Teamwork, Fairplay, Miteinander und Eigenverantwortung. Die Camp-Betreuer Sabrina Hommel (Frankfurt, B-Lizenz), Daniel Ringleb (Köln, B-Lizenz) und Jaqueline Hörig (Karlsruhe, C-Lizenz) kauen den Mädchen die Inhalte nicht bloß vor, sondern lassen sie eigeninitiativ erarbeiten und entdecken. Auch soziale und gesellschaftliche Themen werden thematisiert. Wiebke Julius, Demokatrietrainerin der Deutschen Sportjugend (dsj), sensibilisiert die Mädchen mittels praktischen Übungen für soziale Unterschiede innerhalb des Landes und zeigt auf, wie ein Zusammenleben auch trotz kultureller und sprachlicher Barrieren funktionieren kann. Aktiv einbringen müssen sich die Mädels auch bei den Mahlzeiten. Immer zwei von ihnen unterstützen Köchin Ilona Ringleb in der Küche.

„Es ist aufregend Menschen kennen zu lernen, die das gleiche Hobby haben und aus so vielen verschiedenen Bundesländern kommen“

„Ich finde das Mädchencamp toll. Es ist aufregend Menschen kennen zu lernen, die das gleiche Hobby haben und aus so vielen verschiedenen Bundesländern kommen“, betonen die Freundinnen Louise Lütgen und Fabia Gisder aus Wentorf (Hamburg) unisono.

Sophia Weidner vom TTC Bernbach (Hessen) ist zum ersten Mal beim Mädchencamp dabei. „Eine Freundin von meiner Schwester hat mir davon erzählt“, erzählt die Zwölfjährige, die in der Jugend-Kreisklasse spielt und aus einer echten Tischtennis-Familie kommt. Die Eltern und ihre Schwester spielen beim TTC Bernbach. Neben dem Tischtennistraining in Ihlow gefiel Sophia die „Skatehalle und das Shoppen in Aurich“ am besten. Mit der elfjährigen Annika Kleeb aus Buchholz (Baden-Württemberg) hat sich die Hessin angefreundet, Nummern ausgetauscht. „Das ging hier alles ganz schnell“, sagt Sophia.

Wie zügig die Gruppe zusammenwuchs, zeigte sich unter anderem am letzten Abend. Bei der „Players Party“ wurde gemeinsam getanzt, gesungen und gelacht. Einige Mädels haben bereits angekündigt, 2016 wieder dabei sein zu wollen. Bei Annika Polinski geht das altersmäßig leider nicht mehr. Die Verbandsklasse-Spielerin von der TSG Steinheim (Baden-Württemberg) würde dann mit 15 Jahren über der Altersgrenze liegen. Dreimal schon war Annika beim Mädchencamp dabei. „Es war wieder sehr, sehr schön und hätte ruhig noch länger gehen können. Schade, dass ich nächstes Jahr nicht mehr dabei sein kann“, sagt Annika.

Ein Novum gab in diesem Jahr: Parallel zum Mädchencamp organisierte die DTTJ dank der Initiative „Young Stars“ zwei Kinder- und Jugendtrainerfortbildungen nur für junge Trainerinnen. Die beiden Gruppen erhielten allerlei Anregungen für mädchengerechtes Training, wurden spezifisch geschult im Balleimertraining und der Bewegungskorrektur, konzipierten und führten ein Training für die Camp-Teilnehmerinnen durch. Einige der jungen Trainerinnen konnten dabei zum ersten Mal mit einer Mädchengruppe in Berührung kommen und sammelten reichlich Erfahrung. Ausflüge zum Wattenmeer und einer Seehundstation rundeten die Fortbildung ab.

Melanie Buder, Jugendsekretärin der Deutschen Tischtennis-Jugend, zog ein positives Fazit, von der Woche in Ihlow: „Die Premiere ist gelungen. Zum ersten Mal hatten wir neben dem Mädchencamp auch die beiden Fortbildungen für junge Trainerinnen angeboten. Beides kam sehr gut an, und das Feedback der Teilnehmerinnen ermutigt uns wieder für das kommende Jahr.“

24 Jugendliche aus vier Nationen beim Youth Camp in Hamburg

Wenn 24 Jugendliche aus vier Nationen (Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei) zwei Wochen lang zusammenkommen, dann ist eine ganze Menge los. „Es war letztlich eine sehr intensive, aber auch wieder sehr schöne Zeit, die Spaß gemacht hat“, sagt Felix Schmidt-Arndt, der zusammen mit Dennis Michel das Camp leitete. Die beiden 32-jährigen Freunde, Lehrer und Tischtennis-Experten waren schon im vergangenen Jahr für das Programm und die Abwicklung verantwortlich. Täglich gab es diverse Tischtennis-Inhalte, aber auch Sightseeing-Touren durch Hamburg, diverse sportliche Freizeitaktivitäten sowie Diskussionsrunden und Video-Abende. „Ein Highlight in diesem Jahr war der Klettergarten. Der hat vielen sehr gut gefallen, aber auch das Tischtennis-Training kam gut an“, so Schmidt-Arndt. Anfangs sei die Verständigung nicht so einfach gewesen. Die offizielle Camp-Sprache ist Englisch, aber in der Regel dauert es etwas, bis die Jugendlichen auftauen und sich mit den Teilnehmenden aus anderen Nationen austauschen. „Wir haben auf jeden Fall wieder viel für die interkulturelle Völkerverständigung getan“, sagt der Betreuer mit einem Augenzwinkern. Die Gruppe sei im Tischtennis sehr heterogen gewesenen – fünf der sechs Schweizer Teilnehmer etwa hatten an den Jugend-Euros teilgenommen –mit Sparringspartnern konnten spielerische Unterschiede aber gut ausgeglichen werden.

Traditionell war das Abschiednehmen sehr emotional. Über Facebook haben sich viele Teilnehmer jedoch schon gut vernetzt, neue Profil- und Hintergrundbilder vom Camp eingestellt und Dinge gepostet wie: „I miss you everybody.“ Und von der Kultur der Jugendlichen aus den anderen Nationen nahmen sie einiges mit. „Das ist mir auch sehr wichtig, dass sie einerseits ihr Spiel verbessern, andererseits aber auch ihre Persönlichkeit weiterentwickeln“, betont Schmidt-Arndt.

Camps auch in diesem Jahr von Butterfly gesponsort

Richtig gut kommt bei den Camps immer die Einkleidung an, die die Jugendlichen bekommen – und natürlich behalten dürfen. Trainingsanzüge, Trikots, Bälle oder Tische – möglich macht das Butterfly Deutschland, die mittlerweile seit fünf Jahren die beiden Camps mit Einkleidung und anderen Tischtennismaterialien unterstützen.
Die Jugendcamps werden außerdem aus Mitteln des Kinder- und Jugendplanes des Bundes (KJP) durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

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